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Zeitgeschichte AKTUELL

Der Weg zum Staat Israel

von Prof. Dr. Thomas Brechenmacher

Über die wechselvolle Geschichte der Region, die Ursprünge des Nahostkonflikts und die Hintergründe zur Staatsgründung 1948

Der Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 zwang Israel zu einem Krieg gegen die islamistische Terrororganisation. Der Nahost-Konflikt erreichte damit einen neuen Höhepunkt. Doch wo liegen die Ursprünge des Konflikts und wie kann die Unversöhnlichkeit absoluter Gebietsansprüche aufgebrochen werden? In der neuen Ausgabe Zeitgeschichte Aktuell blickt der Historiker Thomas Brechenmacher auf die wechselvolle Geschichte der Region und die Hintergründe, die 1948 zur Staatsgründung Israels führten.

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Auf einen Blick

  • Bereits die antike und frühmittelalterliche Geschichte Palästinas ist gekennzeichnet von andauernd wechselnden Siedlungsformen, Landnahmen, Eroberungen, Migrationen und Herrschaftsformationen; sie ist eine Geschichte der Überlagerungen und Überschreibungen, eine Vielvölker- und Vielkulturengeschichte, aus der eine Vielfalt historisch lange nachwirkender Legitimationserzählungen entspringt.
  • Im kollektiven Gedächtnis des Judentums verbanden sich religiöses Verheißungsnarrativ und messianische Erwartung zur Identitätskonstruktion eines überzeitlichen „jüdischen Volkes“. Die jahrhundertelangen Paria- und Leiderfahrungen der jüdischen Minderheit, in der vom Antijudaismus des Christentums geprägten Mehrheitsumgebung der europäischen Diaspora, trugen zur Verfestigung dieser Konstruktion entscheidend bei und hielten die Hoffnungen auf eine Rückkehr ins „Land der Väter“ wach.
  • Auch wenn es einzelne jüdische Ansiedlungsversuche in Palästina bereits früher gab, flossen erst in der zionistischen Bewegung seit dem Ende des 19. Jahrhunderts Ideen einer jüdischen Selbstbefreiung vom Antisemitismus und das Paradigma des Nationalstaats in die Zielvision eines eigenen jüdischen Gemeinwesens in Palästina zusammen. Große Migrationsbewegungen, ausgelöst durch wiederholte Pogrome im Zarenreich seit Beginn der 1880er Jahre, führten vor allem osteuropäische jüdische Gruppen in mehreren Einwanderungswellen ins Land. Erste vorstaatliche Institutionen des sogenannten Jischuw entstanden seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts.
  • Doch erst der Zusammenbruch der osmanischen Herrschaft im Zuge des Ersten Weltkriegs und das britische Völkerbundsmandat veränderten die Situation fundamental. In der Balfour-Erklärung vom November 1917 sicherten die Briten den Juden die Gründung einer „Heimstatt“ in Palästina zu.
  • Die uneindeutig-eigennützige, die arabische wie die jüdische Bevölkerung Palästinas düpierende Politik der britischen Mandatsmacht verschärfte die Probleme in der Region. Unter dem Druck des arabischen Aufstands unterbanden die Briten seit 1939 nahezu jede jüdische Einwanderung und hielten diese Politik auch im Angesicht der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik während des Zweiten Weltkriegs rigoros aufrecht.
  • Ohne ihr ordnungspolitisches Scheitern einzugestehen, überantworteten die Briten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs die Palästinafrage den Vereinten Nationen. In deren Teilungsplan vom November 1947 war neben einem jüdischen auch ein palästinensischer Staat vorgesehen. Allerdings akzeptierten die Palästinenser den Plan nicht und eröffneten den Krieg, der schließlich zur Gründung Israels durch die Unabhängigkeitserklärung vom Mai 1948 führte.
  • Das israelisch-palästinensische Problem wird durch Beharren auf vermeintliche historische oder religiöse „Ansprüche“ auf das Heilige Land nicht zu lösen sein. Im Gegenteil: Politische Vernunft wird von beiden Seiten fordern müssen, von derartigen Legitimationen abzusehen und eingedenk der historischen Tragödien hier wie dort in gegenseitiger Anerkennung einen Neuanfang zu suchen.

 

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Ulrich Baumgarten/Süddeutsche Zeitung Photo
27. Januar 2021
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