Wie wird man zum Täter? Wie macht man Täter? Und wie geht man mit ihnen um? Expertinnen und Experten beantworteten diese und weitere Fragen beim 8. Hohenschönhausen-Forum in der Gedenkstätte Hohenschönhausen.
Über Täter im Nationalsozialismus und in der DDR sprachen beim 8. Hohenschönhausen-Forum Historiker, Psychologen, Mitarbeiter von Gedenkstätten, Juristen und Forscher.
Auch wenn im Sozialismus das Individuum begrenzt wurde: "Täter ist, wer aktiv wurde, das sind die Funktionäre in hohen Stellungen, auch die Führungsoffiziere", sagte Professor Karol Sauerland, Germanist und Philosoph.
"Zu jedem Verbrechen gehören nicht nur Opfer, sondern auch Täter", sagte Dr. Hubertus Knabe, Direktor der Gedenkstätte Hohenschönhausen, in seiner Einführung.
"NS-Täter- und -Mittäter sind gut erforscht, nicht aber die DDR-Täter. Über Täter im Sozialismus wissen wir viel zu wenig", führte Andreas Kleine-Kraneburg, Leiter der Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung in das Forum ein.
"Aus dem Bedürfnis heraus, geliebt zu werden, zeigen gerade Narzissten häufig eine hohe Gewaltbereitschaft", analysierte der Psychologe Dr. Stefan Trobisch-Lütge von Gegenwind - Beratungsstelle für politisch Traumatisierte der SED-Diktatur.
"Die meisten NS-Täter waren keine Exzesstäter. Sie handelten mit guten Gewissen, aber nicht immer aus voller Überzeugung", so der Historiker Prof. Dr. Manfred Görtemaker von der Universität Potsdam.
"DDR-Verbrechen werden nicht als solche gesehen, so Prof. Dr. Klaus Schroeder, Leiter des Forschungsverbunds SED-Staat an der Freien Universität Berlin und ergänzt das weit verbreitet Denken: "In der DDR gab es keine Täter, nur Wohltäter, die falsch betrachtet wurden."
Das zweite Panel befasste sich ebenfalls mit Täterbildern. Diese sind in der DDR jedoch nicht so ganz klar: "25 Prozent der Inhaftierten wurden von sogenannten Zellen-Informatoren bespitzelt - und auch diese ZIs wiederum wurden bespitzelt. Das sind verratene Verräter", so Dr. Tobias Wunschik von der Abteilung Bildung und Forschung des BStU, Berlin.
Dr. Hans-Christian Jasch (2. v. l.) Direktor der Gedenkstätte Haus der Wannseekonferenz über die Täter: "Die "wahren" Motive bleiben häufig im Dunkeln."
Dr. Jens Gieseke vom Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam: "Die hauptamtlichen Stasi-Mitarbeiter sind eine klar zu handhabende Tätergruppe. Sie dienten freiwillig und taten ihre Arbeit gern und mit einem Gefühl beruflicher Befriedigung."
Christian Booß, Projektkoordinator im BStU, über die "indiskrete Gesellschaft" in der DDR: "Auch Auskunftspersonen und Freiwillige Helfer der Volkspolizei spitzelten, wenn auch oft unwissend. Nur mit den IMs hätte die Stasi es nicht geschafft."
"NS-Täter sprechen immer in der dritten Person und zeigen keine Reue. Oft hört man dann nur: 'Das hätte man nicht tun dürfen'", berichtet Kurt Schrimm, der ehemalige Leiter Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg.
Günter Grass machte seine Mitgliedschaft in der Waffen-SS publik, Christa Wolf gestand, IM gewesen zu sein. Die öffentliche Reaktion fiel scharf aus: "Da wurde mit zweierlei Maß gemessen. Intellektuelle werden härter angegriffen", sagte Michaela Nowotnick vom Institut für deutsche Literatur der Humboldt-Universität zu Berlin.
"Hitler in 'Der Untergang' als Menschen zu zeigen war falsch. Man muss das Böse demaskieren und die Täter so furchtbar zeigen, wie sie damals waren," sagte Dr. Rainer Rother, Künstlerischer Direktor der Deutschen Kinemathek in Berlin.
Über Täter im Nationalsozialismus und in der DDR sprachen beim 8. Hohenschönhausen-Forum Historiker, Psychologen, Mitarbeiter von Gedenkstätten, Juristen und Forscher.
Auch wenn im Sozialismus das Individuum begrenzt wurde: "Täter ist, wer aktiv wurde, das sind die Funktionäre in hohen Stellungen, auch die Führungsoffiziere", sagte Professor Karol Sauerland, Germanist und Philosoph.
"Zu jedem Verbrechen gehören nicht nur Opfer, sondern auch Täter", sagte Dr. Hubertus Knabe, Direktor der Gedenkstätte Hohenschönhausen, in seiner Einführung.
"NS-Täter- und -Mittäter sind gut erforscht, nicht aber die DDR-Täter. Über Täter im Sozialismus wissen wir viel zu wenig", führte Andreas Kleine-Kraneburg, Leiter der Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung in das Forum ein.
"Aus dem Bedürfnis heraus, geliebt zu werden, zeigen gerade Narzissten häufig eine hohe Gewaltbereitschaft", analysierte der Psychologe Dr. Stefan Trobisch-Lütge von Gegenwind - Beratungsstelle für politisch Traumatisierte der SED-Diktatur.
"Die meisten NS-Täter waren keine Exzesstäter. Sie handelten mit guten Gewissen, aber nicht immer aus voller Überzeugung", so der Historiker Prof. Dr. Manfred Görtemaker von der Universität Potsdam.
"DDR-Verbrechen werden nicht als solche gesehen, so Prof. Dr. Klaus Schroeder, Leiter des Forschungsverbunds SED-Staat an der Freien Universität Berlin und ergänzt das weit verbreitet Denken: "In der DDR gab es keine Täter, nur Wohltäter, die falsch betrachtet wurden."
Das zweite Panel befasste sich ebenfalls mit Täterbildern. Diese sind in der DDR jedoch nicht so ganz klar: "25 Prozent der Inhaftierten wurden von sogenannten Zellen-Informatoren bespitzelt - und auch diese ZIs wiederum wurden bespitzelt. Das sind verratene Verräter", so Dr. Tobias Wunschik von der Abteilung Bildung und Forschung des BStU, Berlin.
Dr. Hans-Christian Jasch (2. v. l.) Direktor der Gedenkstätte Haus der Wannseekonferenz über die Täter: "Die "wahren" Motive bleiben häufig im Dunkeln."
Dr. Jens Gieseke vom Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam: "Die hauptamtlichen Stasi-Mitarbeiter sind eine klar zu handhabende Tätergruppe. Sie dienten freiwillig und taten ihre Arbeit gern und mit einem Gefühl beruflicher Befriedigung."
Christian Booß, Projektkoordinator im BStU, über die "indiskrete Gesellschaft" in der DDR: "Auch Auskunftspersonen und Freiwillige Helfer der Volkspolizei spitzelten, wenn auch oft unwissend. Nur mit den IMs hätte die Stasi es nicht geschafft."
"NS-Täter sprechen immer in der dritten Person und zeigen keine Reue. Oft hört man dann nur: 'Das hätte man nicht tun dürfen'", berichtet Kurt Schrimm, der ehemalige Leiter Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg.
Günter Grass machte seine Mitgliedschaft in der Waffen-SS publik, Christa Wolf gestand, IM gewesen zu sein. Die öffentliche Reaktion fiel scharf aus: "Da wurde mit zweierlei Maß gemessen. Intellektuelle werden härter angegriffen", sagte Michaela Nowotnick vom Institut für deutsche Literatur der Humboldt-Universität zu Berlin.
"Hitler in 'Der Untergang' als Menschen zu zeigen war falsch. Man muss das Böse demaskieren und die Täter so furchtbar zeigen, wie sie damals waren," sagte Dr. Rainer Rother, Künstlerischer Direktor der Deutschen Kinemathek in Berlin.
Rita Schorpp von der Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung hielt das Schlusswort.
Ideologie kann man als verbindendes Element der NS-Diktatur und des DDR-Regimes bezeichnen. Die „richtige“ Weltanschauung liefert einen gefährlichen Universalschlüssel, mit dem man Menschen schaffen kann, die bereit sind, Massenmorde, Gefangenen-Misshandlung und -Folter sowie Terror zu verüben – mit vermeintlich gutem Gewissen und fehlgeleitetem Idealismus. Doch gerade in der NS-Zeit waren beispielsweise die hohen Beamten häufig gar nicht ideologisiert, sondern nur von ihrer Professionalität überzeugt, die sie zweckgebunden einsetzten.
Gewöhnliche Menschen in der Tötungsfabrik
Befördert wurde das Ganze durch Bürokratisierung und Arbeitsteiligkeit, was zu einer Diffusion von Verantwortung führte und eine Distanz zu den Opfern schaffte – Massenvernichtung in der Tötungsfabrik scheinbar ohne konkrete Täter. So konnte es dazu kommen, dass gewöhnliche Menschen, die in die jeweiligen Systeme eingebunden waren, zu Tätern wurden. Und natürlich spielen bei Einzelnen auch Sadismus, Feigheit oder Erpressung als Motive eine Rolle. Besonders häufig zeigen Narzissten eine hohe Gewaltbereitschaft. Zumeist bleiben die „wahren“ Motive der Täter jedoch im Dunkeln. Eines findet man jedenfalls bei so gut wie allen Tätern: Sie leugnen, weisen jede persönliche Verantwortung von sich und zeigen keine Reue. Allenfalls hört man: „Das hätte man nicht tun dürfen.“
Fließender Übergang zwischen Indiskretion und Denunziation
Während die nationalsozialistischen Tätergruppen relativ klar zu fassen sind, fällt eine Täterdefinition im DDR-Regime schwerer. Zwar sind die hauptamtlichen Mitarbeiter der Staatssicherheit, der Stasi, eine klar zu handhabende Tätergruppe, die massenhaft politische Gegner verfolgte. Schwieriger wird es aber bei den Inoffiziellen Mitarbeitern, den IMs, und verschiedenen Abstufungen von Spitzeln. So gab es die Freiwilligen Helfer bei der Volkspolizei, Auskunftspersonen und Zellen-Informatoren in den Gefängnissen. Sie alle führten mehr oder weniger Spitzeldienste durch, teilweise jedoch auch unwissend. Bei ihnen ist der Übergang von Indiskretion und Denunziation fließend, was sowohl eine Täter- als auch eine Opfer-Definition erschwere.
Keine richtige Aufarbeitung
Der Umgang mit Tätern erfolgte nach 1990 anders als nach 1945 – und er war orts- und zeitabhängig. So hat die DDR NS-Verbrecher nur dann verfolgt, wenn es ihr nützte. Und auch in der Bundesrepublik gab es verschiedene Phasen der Aufarbeitung von NS-Verbrechen. Bemängelt wurde, dass DDR-Verbrechen nicht als solche gesehen werden, und wenn dann nur der Stasi eine Art Sündenbockcharakter zukommt. Grund für die mangelnde Täterverfolgung nach 1990 dürfte das sozialistische Ideal der Gleichheit sein, dass sympathischer daherkommt als der Kampf-Gedanke des Nationalsozialismus: So ist es leichter zu sagen, dass die Idee gut war und es nur an der Umsetzung haperte. Eine richtige Aufarbeitung konnte jedenfalls nicht erfolgen.