Die republikanische Kandidatin für das US-Vizepräsidentenamt, Sarah Palin, hat sich bei ihrem ersten großen Auftritt vor ihrer Partei selbstbewusst und angriffslustig präsentiert. Die Gouverneurin von Alaska setzte sich in ihrer Nominierungsrede auf dem Wahlparteitag in St. Paul gegen den Vorwurf der Unerfahrenheit zur Wehr und stellte ihre ländliche Herkunft als Vorteil hin. Zudem zeigte sie sich als Familienmensch.
Seit ihrer überraschenden Nominierung durch McCain am vergangenen Freitag war in US-Medien immer wieder die Frage der Eignung Palins für die Vizepräsidentschaft aufgeworfen worden. Palin ist seit Dezember 2006 Gouverneurin von Alaska, zuvor war sie Bürgermeisterin der Kleinstadt Wasilla. Für Wirbel sorgten in den vergangenen Tagen Vorwürfe des Amtsmissbrauchs sowie Berichte über die Schwangerschaft von Palins minderjähriger Tochter. Diese sei in Alaska lange bekannt gewesen, so Dr. Patrick Keller, USA-Experte der Konrad-Adenauer-Stiftung, in einem Interview mit dem Domradio Köln.
Keller, der auch Vorsitzender des Arbeitskreises „Junge Außenpolitiker“ der KAS ist, zeigte sich zurückhaltend, ob diese Familieninterna der McCain Kampagne längerfristigen Schaden zufügen können. „Es ist zu früh, Palin abzuschreiben“, sagte er. Die ersten Reaktionen nach der Entscheidung McCains für Palin hätten auf breite Zustimmung ihrer Person gedeutet. „McCain hat seitdem sehr viel mehr Spendengelder einnehmen können. Sehr viele Leute, die bislang eher zurückhaltend waren, wenn es um den republikanischen Kandidaten ging, haben sich jetzt überzeugt gefühlt, dass auch er für eine konservative Politik steht.“ Zudem hätten sich nach Bekanntwerden der Schwangerschaft nahezu alle evangelikalen Führer der USA hinter die 44-jährige gestellt. Sie sagten ihre volle Unterstützung zu, da Palin bewiesen habe, dass sie eine verständnisvolle Mutter sei.
Auch wenn McCains Konkurrent, Barack Obama, sein Team angewiesen hat, die Familiengeschichte Palins nicht für den Wahlkampf zu missbrauchen, spiele es ihm in die Hände, so Keller weiter. „Wie stark dieser Vorteil auf lange Sicht sein wird, bleibe allerdings abzuwarten. Der Vorsprung Obamas in aktuellen Umfragen ist nach wie vor sehr gering. „Entscheidender“, so Keller, „wird sein, wie sich Palin gegen Joe Biden im TV-Duell schlägt. Joe Biden steht ein unangenehmes Duell gegen diese junge Frau bevor.“
Die Fernsehdebatten beginnen am 26. September. Dann treffen sich Barack Obama und John McCain zum ersten von drei Duellen. Am 2. Oktober präsentieren sich die Vizepräsidentschaftskandidaten dem Fernsehpublikum. Weitere Informationen finden Sie in unserem USA-Wahl-Spezial oder in unserem Weblog uswahlen2008.