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„Die Ärzte haben mich kaputt geschrieben“

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Wie kommt man ins Leben zurück, wenn man bereits „abgeschrieben“ wurde. Das Märchen vom Tellerwäscher zum Millionär mal umgedreht. Eine Geschichte, wie sie das Leben geschrieben hat.

Bielefeld. Belebter Verkehr herrscht in der Stadt. Die Straßenbahnen tuckern im Minutentakt vorbei. Dahinter in einem unscheinbaren Park sitzt Günther Stein. Sein Blick ist nachdenklich auf den Städtetrubel gerichtet und doch scheint es, als würde er viel weiter blicken.

Günter Stein sieht nicht so aus, als hätte er drei Schlaganfälle erlebt. Er sieht auch nicht so aus, als ob er nur knapp dem Tode entkommen sei. Dennoch ist da dieser melancholische Ausdruck in seinem Gesicht, der einen neugierig stimmt.

Vor mehr als 40 Jahren startete der 63 Jährige seine Karriere im Dienstleistungsmarketing. Schon bald hatte der gelernte Dienstleistungsberater sich einen Führungsposten gesichert. Intelligent, lebensfroh, sorgenfrei, erfolgreich. So schildert G. Stein sein damaliges „Ich“. Heute fallen dem Frührentner die selbstverständlichsten Tätigkeiten wie Laufen, Reden und auch Denken schwer. Auf die Frage, warum er nicht mehr arbeite, antwortet er: „Ich darf ja nicht mehr, die Ärzte haben mich kaputt geschrieben.“

Dass er drei Mal einen Schlaganfall erlitt, bemerkte Stein nicht einmal. Er ging auch trotz seines extrem hohen Blutdrucks nie zum Arzt. „Ich wollte nicht vor vollendeten Tatsachen stehen“, sagt er. 2006: ein Unglücksjahr für ihn. Als er nach einem Sturz über eine Stufe seine Füße nicht mehr bewegen kann, wird er zwei Wochen lang in die Klinik geschickt. Danach folgen etliche Krankenhausaufenthalte. In dieser Zeit ist Stein alleine mit seinem Schmerz. Die Kinder, erwachsen und außer Stadt, die Frau verlässt ihn nach 23 Jahren Ehe. Früher fuhr er einen teuren Wagen, jetzt mit der Straßenbahn. Der Beruf füllte ihn aus, trotz Leistungsdruck, trotz Stress. Der frühere Raucher gesteht sich ein, dass der Verlust des früheren Luxus ihm zu schaffen macht, aber er wollte nicht schwach aussehen.

Die Umstellung überforderte Stein. Aber das, was ihn am meisten verletzte, war die Hilflosigkeit. „Ich fühlte mich entsorgt, aber letztlich kann man sich nicht vom Schicksal loslösen.“

VON Y. ERROUIHI

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