Der deutsche Dichter und Philosoph Johann Gottfried von Herder, sagte: „Heimat ist da, wo man sich nicht erklären muß“. Dann stellt sich für Dich und für mich die Frage: Wo ist dieser Ort, wo wir uns nicht erklären müssen? Der amerikanischer Lyriker Robert Lee Frost, definiert die Heimat als „der Ort, wo sie einen hereinlassen müssen, wenn man wiederkommt.“ Wenn ich an Asylanten und Flüchtlingen denke, frage ich mich, wo ihre Heimat ist. Der russischer Schriftsteller Andrej Sinjawski, der nach 1973 in Frankreich im Exyl lebte, gab sich mit der folgenden Antwort zufrieden: „Heimat ist kein geographischer Begriff. Man trägt sie in sich selbst.“ Die Frage an Dich und an mich: tragen wir unsere Heimat in uns? Der deutsche Philosoph Karl Jaspers scheint eine Antwort auf diese Frage gefunden zu haben: „Heimat ist da, wo ich verstehe und wo ich verstanden werde.“ Also, wo ist dieser Ort, wo Du verstehst und verstanden wirst und wo ich verstehe und verstanden werde? Was passiert, wenn es einen solchen Ort gar nicht gibt? Die deutsche Widerstandskämpferin Sophie Scholl zeigt eine neue Dimension der Heimat: „Ich drücke mein Gesicht an seine dunkle, warme Rinde und spüre Heimat - und bin so unsäglich dankbar in diesem Augenblick.“ Sie verbindet den Begriff Heimat mit Umwelt, Baum und Natur. Der deutsche Dichter Novalis (1772-1801) fragte "Wo gehen wir denn hin?" - "Immer nach Haus! Damit greift er auf die gängige christliche Auffassung auf, die uns Menschen als Gast auf dieser Erde betrachtet. Denn unsere eigentliche Heimat ist im Jenseits.
Diese unterschiedlichen Definitionen des Begriffs Heimat zeigen mir, dass Heimat nicht etwas Statisches sondern Dynamisches ist. Heimat verlieren, suchen und finden, sich nach einer Heimat sehnen, Heimisch werden, sich zuhause fühlen, sich verstanden oder wohl fühlen und sich als Gemeinschaft verstehen, unabhängig vom Geburtsort. Dies gehört zu unseren Lebenswirklichkeiten als Individuum und als Gesellschaft und zu den Herausforderungen unserer globalisierten Welt.
Wir sind Heimat. Wir gestalten gemeinsam unseren Lebensraum.
Würden wir die Lebenswirklichkeiten der Menschen in unseren Kommunen, Dörfern, Städten, Bundesländern und in unserem Land näher betrachten, würden wir mit Erstaunen feststellen, was für ein Universum sich hintern jedem Bürger und jeder Bürgerin verbirgt. Mein Beispiel kann vielleicht zeigen, wie international unsere Lebenswirklichkeiten sind. Ich komme aus einer globalen Familie mit 7 Geschwistern. Nach unserem Abitur in Kamerun haben wir uns alle entschieden in die Welt aufzubrechen um zu studieren. Mit 17 kam ich von Kamerun nach Deutschland um zu studieren. Die letzten 20 Jahre habe ich in Deutschland die deutsche Sprache gelernt, studiert, promoviert, eine Familie mit 3 Kindern gegründet, an der Universität Freiburg gearbeitet. Ich bin seit Jahren in Kirchen-, Eltern- und Vereinsarbeit tätig. Ich lebe und Arbeite in Freiburg. Heute leben wir meine Geschwister und ich in Afrika, Europa und Amerika. Und wir sind international vernetzt und engagiert. Diese Internationalität gibt mir die Chance, Politik anders zu gestalten und meine deutsche Heimat auf diesem Weg der Internationalität mitzunehmen. Mir ist wichtig vor Ort in Freiburg die Erkenntnisse aus diesem familiären Erfahrungsschatz in meiner Arbeit einfließen zu lassen. Ein gesellschaftspolitisches Engagement ist für mich seit meiner Kindheit und Jugend etwas Selbstverständliches.
Mein Entschluss meine Wahlheimat Freiburg und Deutschland mitzugestalten führte mich in die Politik. 2009 wurde ich als erste afro-deutsche CDU-Stadträtin Deutschlands in den Stadtrat von Freiburg gewählt. Als Kommunalpolitikerin erfahre ich täglich, dass die Kommunalpolitik die Kernzelle der Demokratie ist und bleibt. In den Kommunen werden Entscheidungen in Bereichen getroffen, die sich unmittelbar auf unser Lebensumfeld auswirken. Bei den breiten kommunalen Aufgaben und der angespannten Finanzlage der Kommunen, geht es vor allem zu entscheiden - Was ist für unsere Kommune wichtig? Was ist für unsere Stadt dringlich? Ich kann mich als Bürgerin und als Politikerin einbringen und mitentscheiden. Und so erlebe ich die Kommune als ein Ort, in der Nachbarschaft, Ehrenamt und Gemeinschaft praktiziert werden. Als Heimat eben. 2009 wurde ich in den führenden politischen Gremien der CDU und der Frauen Union Baden-Württemberg gewählt. Zeitgleich wurde ich als Landeskoordinatorin des Migrantinnen-Netzwerks der Frauen Union Baden-Württemberg ernannt, um die politische Partizipation und Teilhabe von Migrantinnen zu stärken, denn unsere deutsche Gesellschaft ist vielfältig. Diese Vielfalt zeigt sich aber kaum in den deutschen Parlamenten in unseren Kommunen, Bundesländern und im Bundestag. Als Mitglied des bundesweiten Netzwerk Integration der Konrad-Adenauer Stiftung in Berlin setze ich mich mit anderen Integrationspolitkern der Union aus allen Bundesländern für die gleichberechtigte Teilhabe der ca. 16 Millionen Menschen mit Zuwanderungsgeschichte am gesellschaftlichen Leben in Deutschland. Wir verstehen uns in diesem Netzwerk Integration als gleichberechtigter Teil Deutschlands.
Als Politikerin gestalte ich meine Wahlheimat Deutschland in den Bereichen Bildung, Integration, Umwelt, Nachhaltigkeit, Gleichstellung, Familie und internationale politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Deutschland und seinen 50 afrikanischen Partnerstaaten mit.
Wir sind Heimat, wenn wir zukunftsweisend handeln.
im Dezember 2011 wurde ich von Bundesfamilienministerin Dr. Kristina Schröder als besonders herausragende Kommunalpolitikerin Deutschlands ausgezeichnet. Mit dem Helene-Weber Preis erinnert das Ministerium an eine der vier Mütter des Grundgesetzes: Helene Weber. Als Helene-Weber Hauptpreisträgerin Deutschlands habe ich die Helene Weber-Initiative „Wir gestalten Zukunft“ mit meinem Preisgeld in Freiburg gegründet. Mitbegründer der Initiative sind Freiburgern und Freiburgerinnen wie der erste Bürgermeister Otto Neideck, die CDU Fraktionsvorsitzende a.D. und Unternehmerin Martina Feierling-Rombach und die Geschäftsführerin der Bernauer Consult GmbH Gabriela Bernauer. Eine Aktion der Initiative wird die Verleihung des „Freiburger Integrationspreises“ erstmalig im Jahr 2012 sein. Die Helene Weber-Initiative zeigt in Freiburg auch darüber hinaus Wirkung: In Kooperation mit UN Women Deutschland, einer Organisation der Vereinten Nationen, die sich weltweit für Gleichberechtigung einsetzt, findet Ende des Jahres eine Zukunftswerkstatt mit dem Thema „Mehr Frauen in Führungspositionen in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft“ statt. Wenn auch die Fußstapfen der „Vier Mütter des Grundgesetztes“ sehr groß sind, gebe ich mein Bestes als Helene Weber Hauptpreisträgerin zu meiner Zeit, zu Beginn des 3. Jahrtausends. Ich gestalte die Zukunft meiner Wahlheimat Deutschland mit.
Wir sind Heimat. Wir handeln nachhaltig.
Ziel dieser Nachhaltigkeit ist es dabei, eine ausgewogene und gerechte Balance zwischen unseren Bedürfnissen und den Lebensperspektiven unserer Kinder und Enkelkinder zu finden und zwar in allen drei Bereichen: Ökonomie, Ökologie und Soziales. Ich begrüße deshalb ausdrücklich den Finanzmasterplan der Freiburger CDU Fraktion, die uns ermöglicht, uns nachhaltig auszurichten, d.h. weg von einer schuldenorientierten Politik, und hin zu einer nachhaltigen Finanzpolitik – Nullverschuldung, Entschuldung und Investition für die nächste Generation. Nachhaltig handeln setzt auch eine gelungene Gestaltung der bundesweiten und globalen Energiewende voraus. Dabei sind nicht nur Energieeinsparung, Energieeffizienz und Energieerzeugung auf lokale und regionale Ebene für eine dezentrale und autarke Energieversorgung wichtig, sondern auch globale Projekte wie DESERTEC ausdrücklich zu begrüßen. Wüstenstrom kann einen wichtigen Beitrag für die globale Energiewende leisten. Nichts darf unversucht bleiben, damit wir künftig eine atomfreie Welt im Sinne unserer Kinder und Enkelkinder hinterlassen. Wenn wir uns als Bürger und Bürgerinnen für eine nachhaltige, lebenswerte und zukunftsfähige Heimat für uns alle und für unsere Nachwelt einsetzen -
"Bei allem, was man tut, das Ende zu bedenken, das ist Nachhaltigkeit." (Eric Schweitzer)
Dann sind wir Heimat und unsere „Heimat hat eine Flagge.“