Správy z podujatí
Primor hat damit zu Papier gebracht, was ihn schon lange umtrieb, wie er bei einer Buchpräsentation in der vollbesetzten Berliner Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung verriet. Juden zogen gegen Juden in den Krieg, aufgeladen mit der Hoffnung, ihr Heldenmut für das Vaterland und ihr Einsatz des eigenen Lebens würden sie in den Augen ihres jeweiligen Staates endlich zu vollwertigen Bürgern machen. „Der Erste Weltkrieg war somit ohne Präzedenzfall für die Juden und hat sich auch danach nicht wiederholt“, sagte Primor über seine Motivation.
Der gleichermaßen bewegende wie emotionale Roman ist gespickt mit Detailwissen und Zeitzeugenberichten. Diese zog Primor sich unter anderem aus mehreren tausend Feldpostbriefen, die Soldaten in die Heimat schickten. Ein Teil von ihnen ist über Umwege ins Leo Baeck Institut gelangt, wo Primor sie nach fast 100 Jahren wieder ans Tageslicht holte. Die Recherche zu dem Buch muss faszinierend gewesen sein, offenbarte sie doch oftmals die innersten Gedanken der Autoren: emotionale Geschichten über Leid und Phantasien, über Kummer und Leben im Schützengraben, adressiert an die Frau zu Hause manchmal auch an die Geliebte.
Überrascht war Primor bei seinen Nachforschungen, dass er nirgends eine Antwort auf die Frage finden konnte, warum Juden auf Juden geschossen haben. Er kann es sich nur so erklären, dass es eine Selbstverständlichkeit gewesen war, in den Kampf für sein Vaterland zu ziehen – ganz egal, wer auf der anderen Seite stand, selbst wenn es sich um Glaubensbrüder handelte.
Diese frenetische, ja, fast glühende Leidenschaft endete auch dann nicht, als militärische Erfolge ausblieben und der zu Beginn des Krieges per Gesetz unterdrückte Antisemitismus in Form der „Judenzählung“ von 1916 wieder seine hässliche Fratze zeigte. Diese staatlich angeordnete statistische Erhebung des Anteils der Juden an allen Soldaten des deutschen Heeres im Ersten Weltkrieg sollte, wenn es nach der Propaganda ging, belegen, dass sich jüdische Wehrpflichte vor dem Fronteinsatz drücken würden. Ein absurdes Manöver, das die Geschichte schnell entlarvte, dennoch aber dazu führte, dass für viele Juden damals eine Welt zusammenbrach. Ihr Traum, sich und ihre Religion zu emanzipieren und gesellschaftlich angenommen zu werden, zerplatzte. Umso seliger waren viele Juden, als nach Kriegsende Reichspräsident Hindenburg ihnen in der Berliner Synagoge in der Oranienburger Straße für ihren Fronteinsatz offiziell und feierlich seinen Dank aussprach. Eine fatale Fehleinschätzung und, wie Primor es nennt, ein „falsches Happy End“ des Romans. Denn heute wissen wir, wie die Geschichte weiterging. Hindenburg war es, der 1933 Adolf Hitler zum Reichskanzler berief.
Wer 100 Jahre nach Beginn des Ersten Weltkriegs mehr über die Hintergründe der Urkatastrophe des zwanzigsten Jahrhunderts erfahren möchte, sollte Primors Roman unbedingt lesen. Ein bedrückendes wie faszinierendes Werk, das bewegt und abschreckt, das erinnert und mahnt.
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