Das Themenfeld der Steuerung von Arbeitsmigration ist von aktueller Relevanz. Die Bundesregierung hat die Etablierung einer "zweiten Säule" für die Erwerbszuwanderung angekündigt. Eine „Chancenkarte“ soll die bisherigen Regelungen liberalisieren und unter anderem, so deutet es sich an, das bisher erforderliche Qualifikationsniveau für Erwerbszuwanderer absenken. Diese Reformpläne finden vor dem Hintergrund des zunehmenden Mangels an Fachkräften und des demographischen Wandels statt, der die sozialen Sicherungssysteme und öffentlichen Finanzen vor große Herausforderungen stellt.
In diesem Kontext stellt sich die Frage, wie sich Arbeitsmigration auf den deutschen Sozialstaat und die öffentlichen Haushalte auswirken kann? Welche fiskalischen Gewinne bzw. Kosten können entstehen? Welche Effekte haben unterschiedliche Qualifikationsprofile von Erwerbszuwanderern – und die damit korrelierenden unterschiedlichen Einkommensniveaus und Nettosteuerzahlungsprofile? Und schließlich: Welche Lehren können daraus für die Steuerung von Arbeitsmigration bzw. für die Anwerbung ausländischer Arbeitnehmer gezogen werden?
Der vorliegende Text gibt einen Kurzüberblick über die einschlägige Fachliteratur und zeigt: Qualifizierte Erwerbszuwanderung kann einen fiskalischen Nutzen mit sich bringen, von dem der Sozialstaat profitiert. Arbeitsmigration, die im Verhältnis zur bereits in Deutschland ansässigen Bevölkerung jedoch unterdurchschnittlich qualifiziert ist, bringt hingegen grundsätzlich fiskalische Kosten zu Lasten des Sozialstaates mit sich.
Auch positive demographische Effekte, die besonders bei jungen Erwerbszuwanderern auftreten, kommen nicht positiv zum Tragen, wenn diese unterdurchschnittlich qualifiziert sind. Unterqualifizierte Arbeitsmigration ist laut Forschungsstand dementsprechend nicht dazu geeignet, die Folgen des demographischen Wandels für den Sozialstaat und die öffentlichen Haushalte abzufedern. Im Gegenteil, sie belastet diese sogar zusätzlich.